Herzblut

Anna

Für einsteins geht es für Anna zurück an die Wurzeln. Eine junge Band, der Rausch des Live-Auftritts... Moment, kennt sie das nicht irgendwoher? 

von Anna Buch

 

Im April musste ich mir Gedanken über Vorschläge für meinen Einsteins-Artikel machen.

Zukunft. Mhm.

Und da fiel mir ein: Ach, Talentsuche bei Plattenfirmen, das klingt echt interessant. Weiß ich noch nicht viel drüber.

Kann mir vorstellen, dass auch andere Leute, die gern Musik hören, wissen wollen: Wie kommen die, die da im Radio laufen, eigentlich dahin?

Nach langer Suche fanden Katha, Maria und ich endlich eine Plattenfirma, die uns Einblick gewähren wollte: Südpol in München. Und eine Band, die dort gerade einen Vertrag unterschrieben hatte: Zico aus Solnhofen im Altmühltal.

Eine junge, spielfreudige Band, die gerade ein erstes Album aufnimmt und mit glasigen Augen von ihrem großen Auftritt beim Chiemsee Reggae schwärmt. Und dann fiel mir etwas auf.


Singer-Songwriter? Moment...

Wer war das, der seine gesamte Teenagerzeit in Probenräumen verbracht hat? In mit Verstärkern, Kabeln und Teppichen vollgestopften Kellerräumen?

Döneressend. Rauchend. Schwerhörig werdend. Rumschreiend. Na?

Ach ja, das war ja ich.

 

Anna auf der Bühne

Ich habe mit 13 entdeckt, dass ich ganz gut Lieder schreiben kann. Zumindest dachte ich das. Und ich war glücklich, dass auch einige meiner Freunde das dachten.

Wir gründeten eine Band. „No agree“ hießen wir – weil wir uns auf keinen Namen und auch sonst auf so vieles nicht einigen konnten. Auch nicht auf einen Musikstil. Im Endeffekt war es irgendwas zwischen Guano Apes und Die Happy, nur mit mehr Metal.

Ich hörte auf, mir meine langen blonden Haare zu kämmen (hab ich so 3 Jahre durchgehalten), besprühte mit roter Farbe meine zerlöcherten Hosen und Schuhe, malte mir die Augen schwarz.


Die Fans singen mit

Unser Gitarrist Olli und ich wurden ein super Songwriter-Team und wir fünf – Hooksy und Olli an den Gitarren, Stephan am Bass, Matze an den Drums und ich am Mikro – tingelten fast jedes Wochenende von Clubs zu Festivals und wieder zurück.

Es war eine tolle Zeit: unterwegs mit Freunden, andere Bands kennenlernen, sich die Stimme kratzig singen, von der Nebelmaschine ohnmächtig werden, Bier trinken – und dazu Applaus.

Wir hatten sogar eine kleine Fangemeinde, die auf Konzerten mit Plakaten herumstand, zu den unmöglichsten Orten anreiste und alle Lieder auswendig konnte (im Gegensatz zu meinen Bandkollegen).

 

Anna singt

Bei Bandwettbewerben gewannen wir uns schließlich die Kosten für ein kleines Album zusammen: Blackbox. Fünf Lieder und viel Herzblut.

Wir hätten damit Plattenfirmen anschreiben können. Aber wir haben es nie wirklich versucht, bekannter zu werden.

Vielleicht, weil wir wussten, wir würden es nicht schaffen? Vielleicht, weil wir wussten, unsere Biographien würden uns sowieso in alle Himmelsrichtungen verstreuen.


Kurz - und schmerzlos?

Bei uns im Ort gibt es eine Band, die schon seit zwanzig Jahren zusammen spielt und die  irgendwie noch immer auf derselben Stelle zu treten scheint wie vor zehn Jahren.

Vielleicht ist es das, was wir nicht wollten: einen Abschied ohne Ende. Dass die Leute irgendwann sagen: „Jetzt hängen die mir aber echt langsam zu den Ohren raus.“

So war es am Ende ein kurzer, beherzter Schnitt. Ich bin nach dem Abitur nach Florenz gegangen und seitdem nicht mehr für längere Zeit nach Hause zurückgekehrt. Auch die anderen leben nicht mehr in unserem Heimatort.

Ich kann mir vorstellen, einmal, für nur ein Konzert, wieder mit den anderen auf der Bühne zu stehen. Das Publikum in der Hand zu haben. Sie zum Singen, zum Klatschen, zum Springen zu bringen.

 

Anna und Katha

Daran dachte ich auch, als ich Zico live in München spielen sah. Ich war ein bisschen neidisch auf die drei Jungs, die mit Genugtuung die Leute zum Grooven brachten.

Ich bin eine von euch, Jungs. Ich will da auch hoch! Mikro her!

Vor den Jungs standen nur Plattenfirmenmitarbeiter. Eine harte Probe.

Ob ich das wollen würde? Etwas so Intimes wie meine Musik und meine Band marktgerecht machen zu lassen? Mich einer  unbarmherzigen Bewertung durch die Öffentlichkeit auszuliefern?


Ich, hier und jetzt: Journalistin

Und dann kam der Labelchef von Südpol, Patrick Oginski, ins Spiel und plötzlich sah ich, wie sich ein Puzzleteil ans nächste fügte: Ich war hier, um die eine Seite mit der anderen zu verbinden, in einem Film und in einem Artikel.

Ich war hier, um Leuten da draußen zu zeigen, was hier hinter den Kulissen abläuft. Wie das Geschäft mit der Musik funktioniert.

Und dann war mir klar: Ganz gut, dass ich keine berühmte Sängerin geworden bin. Dann könnte ich nämlich nicht, hier und jetzt, Journalistin sein.

 

Anna mit Kamera

 

Neugierig auf Annas Band? Das Album "Black Box" gibt's auf last.fm zum Reinhören

Bei "Soulfightjazz" (eine Funk-Jazz-Kombo) hat Anna auch mitgesungen, sie ist in dem Lied "Don't try" zu hören. Auf der Myspace-Playlist anklicken, um reinzuhören.

Auch mit der Band "Souldaten" (Live-HipHop) singt Anna: auf der Playlist "Mach dich frei" anklicken, um den ganzen Song zu hören. Ein neuer Song ist laut Anna in Arbeit. 

Die Band Zico findet ihr übrigens auf deren MySpace-Seite. Mehr zum Plattenlabel Südpol und wen sie alles unter Vertrag haben findet ihr auf deren offizieller Seite.

 

Wie das nun eigentlich funktioniert mit den Talenten von morgen, wie Zico zu Südpol kam und warum der Live-Auftritt entscheidend ist, lest ihr nächste Woche im Heft

Und nicht nur das: Anna, Maria und Katha haben auch noch einen Film gedreht. Donnerstag ins Fernsehstudio zur Präsentation kommen - oder nächstes Wochenende hier auf der Website anschauen. Für die Nicht-Eichstätter unter uns. :-)


Comments

Re: Herzblut

Das find ich ja mal einen richtig schönen Eintrag - und ich hör dich auch sehr sehr gerne singen, Anna! :)
Lg, Anika

Re: Herzblut

Wie war das gleich mit Don`t speak??? :D Montagmorgen dann in der BR-Redaktion live für dich! Hahahaha! :D

Re: Herzblut

Irgendjemand muss mit Aufnahmegerät daneben sitzen, bitte!
:D

Re: Herzblut

Mensch Anna - eure Musik ist ja ziemlich cool! Muss ich doch jetzt mal loben! Grüßli, Romy